Wer in letzter Zeit die öffentliche Debattenkultur in Deutschland verfolgt, reibt sich bisweilen verwundert die Augen. Ein Land, das lange Zeit international für seine moralisch aufgeladenen Wortmeldungen bekannt war, scheint im innerpolitischen Diskurs zunehmend die Maßstäbe für einen respektvollen Austausch zu senken. Nicht selten wird dies mit dem Hinweis gerechtfertigt, man wolle „Jugendliche erreichen“ – notfalls auch um den Preis einer sprachlichen Grenzüberschreitung.
Jedoch sollte die Messlatte für den Umgang miteinander – gerade auch bei Jugendlichen – höher liegen als das, was im politischen Schlagabtausch oder in Teilen der Popkultur inzwischen salonfähig erscheint. Wer Debatten führen will, muss die Sache angreifen (dürfen), nicht aber die Person.
Dass es auch anders geht, zeigte sich am 23. Januar 2026 beim Schulwettbewerb „Jugend debattiert“ am Franken-Gymnasium Zülpich. Vor der gesamten Jahrgangsstufe 10 wurden zwei anspruchsvolle Streitfragen diskutiert:
- Soll für das Fahren von E-Scootern eine Führerscheinpflicht eingeführt werden?
- Soll eine allgemeine Dienstpflicht für Jugendliche gelten?
In beiden Debatten wurde hart in der Sache, aber weich in der Sprache argumentiert. Unterschiedliche Positionen stießen aufeinander, ohne dass persönliche Angriffe nötig gewesen wären. Genau darin liegt die Stärke einer funktionierenden Debattenkultur: Sachkenntnis, Ausdrucksvermögen, Gesprächsfähigkeit und Überzeugungskraft entfalten ihre Wirkung nicht durch Lautstärke oder Beleidigungen, sondern durch Klarheit der Argumente. Dies sind genau die Bewertungskriterien bei diesem Wettbewerb.
Das Franken-Gymnasium Zülpich freut sich, mit den beiden mehr als überzeugenden Debattensiegern Viktoria Weber (10d) und Daniil Zorin (10b) beim Regionalwettbewerb in Düren vertreten zu sein – auch als Zeichen dafür, dass engagierte, kontroverse Debatten ohne sprachliche Entgleisungen möglich sind.
Ein großes Dankeschön gilt neben allen Teilnehmenden am Ende insbesondere auch Sven Meyer (Hausmeister) sowie Philipp Hohn (10a) und Leon Tobias (10b) für die Unterstützung bei Aufbau und Technik sowie meinen Mitjurorinnen Frau Welp (Wp) und Frau Skiera (Ska).
Christian Summerer
















